Unsere Fassung

Das Weite Land

Ein Experiment. Wir hatten das Bedürfnis, unser Lieblingsstück mit Referenzen zu einem unserer Lieblingsfilme zu versetzen. Dieser ungewöhnliche Eingriff und ein sehr junges Ensemble sind die Stützen unseres Vorhabens, eine frische, zugängliche, aus dem Griff  der Tradition befreite Tragikomödie auf die Bühne zu stellen. In unserer Version wird es um zwischenmenschliche Überlebenskämpfe gehen. Das zeigen wir in einer Abfolge konfliktgeladener Szenen, in denen unsere Figuren emotional völlig unvorbereitet aufeinander prallen. Die Charaktere werden wenig Zeit mit Sinnieren und Philosophieren verbringen – wie so oft in heimischen Schnitzler-Inszenierungen -, denn Genia und Friedrich Hofreiter, die Hauptfiguren der Geschichte, jagen wie zwei Raubfische durch das Stück und den anderen Figuren hinterher.

Zu Live-Musik sollen die Mitwirkenden die Texte durch den Raum schleudern, ihn in die Stille stottern oder mit angehaltenem Atem verweigern. Wir wollen herausfinden, wie direkt, unmittelbar, unreflektiert und roh ein so vielschichtiger, feingeschliffener und durchdachter Text präsentiert werden kann. Mit diesem Ziel vor Augen haben sich während der dramaturgischen Vorarbeit und der ersten Proben einige Veränderungen am Original ergeben. Um die gewünschte Direktheit zu erreichen, versuchen  wir uns auf subjektive Impulse der Beteiligten einzulassen. So zum Beispiel wurde sehr bald klar, dass unser “weites Land” von Zeit und Ort befreit sein wird, also weder in Wien, noch in den Zehner Jahren des vorigen Jahrhunderts spielt, sondern in einer Seelenwelt der Schauspieler, einem nicht festgelegten, träumerischen Zeitablauf folgend. Außerdem haben wir das Natter Ehepaar zu einer Figur verschmelzen lassen, Begriffe und Ereignisse aus der Generation der Darsteller in den Text eingebaut, den berühmten, sonst in den Alpen stattfindenden dritten Akt ans Meer verlegt, Improvisationssegmente und Gastauftritte eingeplant.